Weniger Kohlenhydrate – jetzt auch in den Leitlinien!

Lange Zeit galt eine kalorien-, weil fettreduzierte Ernährung als Königsweg der nachhaltigen Gewichtsreduktion – zumindest in den Leitlinien zur Prävention und Therapie der Adipositas der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG).

Nun zeichnet sich dort eine längst überfällige Wende ab: In der überarbeiteten Fassung, die im April 2014 veröffentlicht wurde, stehen kohlenhydratreduzierte Kostformen auf einer Stufe mit fettreduzierten, kohlenhydratreichen Diäten.

Der Grund: In einem Studienvergleich konnten durch eine Kohlenhydratbegrenzung im ersten halben Jahr bessere Erfolge bei der Gewichtsreduktion erzielt werden, als mit einer fettreduzierten Ernährung.

Allerdings steht auch diesmal die Senkung der Energiezufuhr im Vordergrund. Dem jeweiligen Anteil der Makronährstoffe Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate wird dagegen keine Bedeutung beigemessen.

Die Begründung hierfür: Einige Studien mit kalorienreduzierten Kostformen hatten trotz unterschiedlicher Nährstoffzusammensetzungen gleich hohe Gewichtsabnahmen gezeigt. Daher sei vor allem die Drosselung der Kalorienzufuhr entscheidend, so die Autoren der Leitlinien. Die Zusammensetzung der Hauptnährstoffe könne entsprechend der individuellen Vorlieben gewählt werden.

Weniger Kohlenhydrate und essen bis man satt ist

Bei den untersuchten Diätvarianten mit unterschiedlichen Fett- und Kohlenhydratanteilen war die Kalorienbeschränkung stets vorgegeben. Wie zahlreiche Studien belegen, wird der Vorteil kohlenhydratreduzierter Kostformen aber erst sichtbar, wenn auf eine konkrete Kalorienangabe verzichtet wird. So darf auch bei LOGI ad-libitum, also bis zur Sättigung gegessen werden. Dennoch sinkt die Kalorienaufnahme und man nimmt ab – jedoch nicht, weil man sich an eine Vorgabe halten muss, sondern aufgrund des verbesserten Sättigungseffektes durch den höheren Eiweiß- und Fettanteil.

Genau diesen Aspekt greifen auch die beiden Professoren Arne Astrup und Jenny Brand-Miller in Ihrer Kritik an den US-amerikanischen Leitlinien zum Management von Übergewicht und Adipositas auf. Die Konzentration auf eine verringerte Kalorienzufuhr – ganz gleich, wie sie erreicht wird – lasse den Eindruck entstehen, dass die Zusammensetzung der Nährstoffe keine Rolle spiele, solange nur die Energiebilanz stimmt. Die Bedeutung einer guter Sättigung und eines reduzierten Hungergefühls für die Energiezufuhr blieben dabei völlig außen vor.

Für die beiden Wissenschaftler besteht die Herausforderung darin, Wege für eine nachhaltige und dauerhafte Gewichtsreduktion ohne gesundheitliche Risiken zu finden. Dabei komme es ganz wesentlich auf die Nährstoffzusammensetzung an, wie die guten Ergebnisse von Low-GI- und Low-Carb-Kostformen zeigen. Die neuen Leitlinien würden Ärzte und Öffentlichkeit in die Irre führen.


Quellen:

Deutsche Adipositas Gesellschaft: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prävention und Therapie der Adipositas“; 2. Auflage (1. Aktualisierung, 2011-2013); veröffentlichter und zur Diskussion freigegebener Entwurf; http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/DAG-LL-Gesamtdokument-Mat-18.pdf

Astrup A & Brand-Miller J: Have new guidelines overlooked the role of diet composition? Nature Reviews Endocrinology 10, 132–133 (2014); doi:10.1038/nrendo.2013.271; Published online 14 January 2014

Jensen MD et al.: 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults: A report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines and The Obesity Society. J Am Coll Cardiol 2013; http://dx.doi.org/10.1016/j.jacc.2013.11.004

Bildcopyright: Studio L‘Eveque, Tanja und Harry Bischof, München

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Logish

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