Kalorien zählen: Figur-Kontrolle oder Gesundheitsrisiko?

Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, ihr Essverhalten zu dokumentieren, rigide auf Nährwerte zu achten und penibel Kalorien zu zählen – egal, wie klein die Portion ist, egal, wie groß der Hunger ist, egal, wie gesund das Essen ist. Doch ist das wirklich die Lösung allen Figur-Übels? Können und sollten Zahlen unsere Essgewohnheiten und -vorlieben bestimmen? Und sieht SO tatsächlich ein gesundes Verhältnis zu unserem Essen und vor allem zu unserem Körper aus?

Kalorien zählen vorprogrammiert: „Ich bin zu dick, ich mach ’ne Diät!“

Fakt ist: Weitaus mehr Menschen sind mit ihrer Figur unzufrieden als zufrieden. Hier und da sitzt ein Kilo zu viel auf den Hüften, dort stört ein Fettpölsterchen an Bauch und Po, bei anderen wiederum zwickt die Hose und die Lieblingsjeans will sich einfach nicht mehr schließen lassen.

Das ist sicherlich kein Einzelfall – ganz im Gegenteil! Wohl jeder von uns kennt das unschöne Gefühl, ein wenig über die Stränge geschlagen und ein paar Pfund zugenommen zu haben. Aber ist es deswegen richtig, sich in eine Diät nach der nächsten zu stürzen und auf jede noch so kleine Kalorie zu achten? Sollten wir uns jeden Essgenuss und Genussmoment verbieten, nur damit wir eine – aus unserer Sicht – perfekte Figur bekommen und halten?

Die Antwort lautet ganz klar: NEIN, das sollten wir nicht!

Denn was passiert mit uns, wenn wir zu sehr auf unser Essverhalten achten und uns kontrollieren anstatt intuitiv und bewusst zu essen? Nun, im Prinzip lässt sich diese Frage ganz einfach so beantworten: Wir verlieren die Anbindung an uns selbst. Vereinfacht gesagt bedeutet dies also, dass wir verlernen, auf unseren Körper zu hören. Als Folge missachten wir unser natürliches Hunger- und Sättigungsgefühl, weil wir gar nicht mehr wahrnehmen, wann wir Hunger haben und wann wir satt sind – geschweige denn, dass wir wüssten, was uns guttut und was uns schadet.

Stattdessen orientieren wir uns an Zahlen, Nährwertangaben und verallgemeinerten Richtwerten, die weder unseren Stoffwechsel noch unsere physische und psychische Verfassung berücksichtigen. Wie sollten sie das auch? Es handelt sich dabei schließlich um generelle Angaben und Berechnungen, die sich auf den Durchschnitt beziehen – sowohl auf den des entsprechenden Lebensmittels als auch auf den eines Prototyp-Menschen.

Warum sollten wir uns also an etwas halten, das nicht im Entferntesten unsere Individualität berücksichtigt und unser persönliches Hunger- und Sättigungsgefühl beurteilen kann? Wenn wir heute Mittag mehr Hunger haben als gestern Mittag – sei es, weil wir eine Mahlzeit nachholen müssen, uns mehr bewegt haben oder weil wir hormonellen Schwankungen unterliegen –, dann kann und sollte uns keine Diät-Empfehlung oder Nährwertangabe der Welt vorschreiben, wie viel wir essen dürfen.

Natürlich kann die Berechnung des Grund- und Leistungsumsatzes uns einen groben Richtwert bieten, damit wir uns einen Überblick über „normale Mengenverhältnisse und Portionsgrößen“ verschaffen können. Aber – und das ist besonders wichtig – Kalorien zu zählen sollte niemals ein schlechtes Gewissen schüren. Und genau das ist leider viel zu häufig der Fall. Denn wer tunlichst darauf achtet, sich an Vorgaben zu halten und nur so viel bzw. nur das zu essen, was laut einer trendigen Ernährungsvorschrift oder laut Kalorienrechner gut für ihn ist, tut sich und seiner Figur keinen Gefallen. Im Gegenteil! Hart formuliert, wird er im schlimmsten Fall zu einem Sklaven der Zahlen und verliert vollkommen den Zugang zu seiner inneren Stimme.

Es geht auch anders: Intuitiv zum Wunschgewicht!

Wie viel schöner ist dagegen die Vorstellung, intuitiv das Richtige zu essen und zwar genau so viel, wie es Körper und Seele guttut? Genau zu spüren, was und wie viel der Körper braucht? Zu wissen, wann es genug ist und wann es Zeit für die nächste Mahlzeit ist? Unterscheiden zu können, ob nur der Kopf nach etwas Süßem verlangt oder ob der Körper es tatsächlich braucht?

Klingt zu schön, um wahr sein sein? Keineswegs, denn all dies ist auch ohne eine strenge Kontrolle durch Zahlen, Kalorien zählen und schlechtes Gewissen möglich. Wie das funktionieren soll? Ganz einfach, indem wir wieder lernen, auf unseren Körper zu hören. Mit ein wenig Übung gelingt es ganz leicht, die eigene Körperwahrnehmung zu schulen und sich wieder an ein intuitives Essverhalten zu gewöhnen.

Um deine Essgewohnheiten einmal zu überdenken und neu zu lernen, auf die Signale deines Körpers zu achten, haben wir nachfolgend ein paar Tipps für dich zusammengetragen.

Tipps für ein gesünderes Essverhalten:

1.) Snack-Falle: Bevor du dir das nächste Mal einen Schokoriegel schnappst und die nebenbei gefutterten Schoko-Kalorien durch Auslassen einer gesunden Mahlzeit einsparst, hinterfrage deine Wahl zuerst. Hast du wirklich Hunger? Ist der Schokoriegel jetzt genau das Richtige? Wie wirst du dich fühlen, nachdem du ihn gegessen hast? Würde eine gesunde Alternative wie eine Handvoll Nüsse oder ein Stück Obst mit Joghurt dich vielleicht genauso zufriedenstellen?

2.) Hunger oder Appetit? Vor jeder Mahlzeit ist es empfehlenswert zu überprüfen, ob und wie viel Hunger du hast. Ist es nur Appetit, der dich überkommt, weil es so herrlich nach deinem Lieblingsgericht duftet? Oder bist du wirklich hungrig? Und wie viel Hunger hast du? Würde eine kleine Portion genügen oder sollte es auf jeden Fall ein größeres Gericht sein? Wonach steht dir der Sinn, was wäre jetzt die perfekte Mahlzeit für dich?

3.) Achtsamkeit beim Essen: Wenn du isst, konzentriere dich nur auf das Essen. Kaue gründlich und versuche, das Aroma jeder einzelnen Zutat herauszuschmecken. Lasse keine Ablenkung zu und richte deine Aufmerksamkeit voll und ganz auf das Essen. Nimm dir Zeit – erst nach 20 Minuten tritt das Sättigungsgefühl ein und alles, was wir bis dahin hinuntergeschlungen haben, wird möglicherweise gar nicht richtig registriert und einfach so auf unserem Kalorienkonto verbucht.

4.) Satt, satter … zu viel des Guten: Sicherlich kennst du das: Du isst und isst und spürst einfach keine Sättigung … Ganz plötzlich fühlst du dich ‚übervoll’ und ärgerst dich, dass du schon wieder zu viel gegessen hast. Auch das muss nicht sein und lässt sich trainieren! Iss langsam und lege zwischendurch das Besteck beiseite. Wie fühlst du dich? Hast du noch Hunger? Empfindest du weiterhin ein angenehmes Gefühl bei jedem Bissen? Spüre immer mal wieder in dich hinein und taste dich auf diese Weise langsam an deine Sättigung heran.

Zurück zur Intuition – gar nicht so einfach!

So effektiv die oben genannten Tipps auch sind, solltest du anfangs nicht zu viel von dir verlangen. Solche Ratschläge rund um eine gesunde Ernährung und ein gesundes Essverhalten lassen sich nicht von heute auf morgen umsetzen. Doch je öfter du deine Wahrnehmung trainierst, desto schneller werden sich deine Essgewohnheiten wieder normalisieren. Nach und nach wird es dir leichter fallen, Gelüste von echtem Hunger zu unterscheiden und dein Sättigungsgefühl frühzeitig wahrzunehmen. Du wirst dich nicht mehr ungewollt überessen oder unnötig viele Snacks zu dir nehmen, weil du einfach auf deinen Körper hörst – ganz ohne Kalorien zu zählen und auf Punkte oder Nährwerte zu achten. Probier es unbedingt einmal aus und versuch dich allein auf dich und deinen Körper zu verlassen!

Nun sind wir gespannt auf deine Ansicht zum Thema „Kalorien zählen“ und natürlich auch zu unseren Tipps. Kontrollierst du dein Essverhalten in einer bestimmten Form? Zählst du Kalorien, berechnest du Nährwerte oder kannst du dich getrost auf deinen Körper verlassen?

Schreib uns deine Meinung und Erfahrung in die Kommentare!

Deine Feli

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Feli

Comments

2 Comments
  1. posted by
    Cäthe
    Mai 6, 2016

    Vielen Dank Feli!! Ich weiß nicht, ob es am Frühling liegt, aber zur Zeit redet jeder nur über Abnehmen, Kalorien oder Punkte zählen. Woraufhin ich mir erst recht noch ein zweites Stück Kuchen nahm, nur um mich davon abzusetzen. War natürlich auch Quatsch. Dein Beitrag gibt mir wieder das Selbstvertrauen, das ich gerade dringend brauchte. Danke

    • posted by
      Logish
      Mai 7, 2016

      Hallo liebe Cäthe,

      das freut mich sehr, dass der Beitrag für dich gerade zur richtigen Zeit kam und dir Selbstvertrauen gibt! 🙂 Du hast Recht, gerade im Frühling, wenn die Temperaturen steigen und es wieder schnurstracks auf den Sommer zugeht, meinen viele, sie müssten nun unbedingt maßhalten, um ihre Bikinifigur zu erreichen. Wenn sie stattdessen durchweg auf ihren Körper hören würden, müssten sie sich auch im Frühling nicht derart selbst belasten und einschränken…. Lass dich also nicht verrückt machen und zieh dein Ding durch – egal, was andere tun und sagen! 🙂

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