Bikram Yoga – muss das sein?

„… es entspannt mich total, endlich Ruhe und ich komme mal ganz zu mir. Ich entwickle ein richtiges Bewusstsein für meinen Körper – toll ist das!“ Ich kann es nicht mehr hören. Mona ist einer der Letzten, die mich bis dato noch nicht mit diesem Thema vollgequatscht hat. Andauernd das Yoga-Thema. Mein halber Freundeskreis steht auf Verbiegen, Verbeugen und Meditation …

Wie funktioniert das? Richtig, durchs Atmen. Wenn ich mich schon mal aufraffe, mir Zeit nehme und versuche abzuschalten, dann möchte ich, dass diese Zeit gut investiert ist – und ATMEN, dass mache ich 24 Stunden am Tag. Also besteht meine Private Time aus Gesichtsbehandlungen, Entschlackungswickeln und Powersport. Als Powersport bezeichne ich alles, was mich nach einer Stunde nicht mehr die Treppe raufkommen lässt, weil meine Beine streiken. Warum ich mir das antue? Habe ich schon erwähnt: Ich möchte, dass mein Körper jegliche Beschäftigung anerkennt und sichtbar macht. Klappt soweit auch, nur Eigenschaften wie Gelassenheit und Bewusstsein sind nicht wirklich auf meinem Steckbrief zu finden.

Mona erzählt mir bei unserem heutigen Kaffeetrinken von ihrem neuen Hobby: Birkam Yoga. Yoga in einem 40 Grad heißen Raum. „Großartig! Du fühlst dich danach, wie auf einem Drogenrausch und bist extrem ausgepowert. 1000 Kalorien verbrennt man bei einer Session, die 90 Minuten geht. Du musst mitkommen!“

Meine Versuche abzulehnen lass ich jetzt mal aus und kürze ab. Zwei Tage nach unserem Gespräch befinde ich mich in einem Yogastudio in Hamburg Altona und frage mich, was ich hier mache. Die große Metalltür zum Raum des Geschehens ist verschlossen, davor ein großer Buddha. Alle Teilnehmer stehen vor der Pforte und warten auf Punkt 18.00 Uhr. Es kommt mir so vor, als wenn keiner freiwillig eine Minute länger in dem Höllenraum bei 40 Grad und gefühlten 1000 % Luftfeuchtigkeit bleiben will. Der Trainer kommt zu mir und flüstert mir in seiner wahrscheinlich sanftesten Stimmlage zu: „Hey Nina, wichtig ist, dass du in dem Raum bleibst. Dir wird schlecht und schwindlig werden, aber bleib drin.“ Sehr beruhigend…

Nachdem die ersten Minuten überstanden sind und die Stunde mit zehn Minuten Atmen begonnen hat, bin ich schon ziemlich aus der Puste. Ich wusste gar nicht, dass das auch anstrengend sein kann. Nach der ersten halben Stunde denke ich: Ich will hier raus! Nach einer Stunde, dreimal ausgesetzt, drei Litern Wasser und ganz bestimmt 5000 verbrannten Kalorien später: Holt mich hier raus! Aber ich halte durch und krieche nach 90 Minuten total erschöpft aus dem Studio.

Ich werde nie wieder etwas gegen Yoga sagen, naja auf jeden Fall nicht gegen Bikram Yoga. Experiment Yoga im Selbstversuch ist geglückt. Die 10er-Karte ist sofort in die Tasche gewandert und 100 € dafür heraus.

Nach weiteren drei Bikram-Stunden erwische ich mich abends auf dem Sofa dabei, wie ich meinem Freund mit Yoga-Gequatsche auf die Nerven gehe. Ohje, ich glaube ich bin infiziert.


Wie geht’s euch mit Yoga? Habt ihr schon mal Bikram-Yoga ausprobiert? Oder eine andere Form von Yoga? Wenn ja, seid ihr auch infiziert? Hinterlasst uns einen Kommentar!

Eure Nina

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Nina

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