Ayurvedische Ernährung: Was ist wirklich dran?

Die ayurvedische Ernährung hat in den letzten Jahren einen wahren Aufschwung erlebt. Viele Menschen haben bereits Elemente der Ayurveda-Ernährung in ihren Alltag integriert und zeigen sich von den positiven Auswirkungen begeistert. Wir wollen wissen: Was ist wirklich dran an der ganzheitlichen Ernährungslehre? Und was verbirgt sich überhaupt hinter dem Begriff ‚Ayurveda‘?

Das Basis-Konzept der ayurvedischen Ernährung

Der Begriff ‚Ayurveda‘ bedeutet übersetzt ‚Wissen vom Leben‘ und steht für eine traditionelle indische Heilslehre, die bis heute in Indien, Nepal und Sri Lanka praktiziert wird. Die ayurvedische Ernährungsform macht dabei nur einen kleinen Bestandteil des gesamten Ayurveda aus.

In der Ayurveda-Ernährung werden einerseits allgemeine Empfehlungen gegeben, die für jedermann gelten; zum anderen gibt es spezielle Ernährungsempfehlungen für drei verschiedene Konstitutionstypen (sogenannte Doshas). Diese Konstitutionstypen heißen Vata, Pitta und Kapha und bilden die Grundlage für sämtliche Ayurveda-Empfehlungen. Wer sich für die Ayurvedaküche interessiert, sollte zunächst einmal seinen Konstitutionstyp bestimmen, um konkrete Tipps für seinen individuellen Lebens- und Ernährungsstil abzuleiten.

Die Konstitutionstypen

Die sogenannten Doshas, also die Konstitutionstypen der ganzheitlich orientierten Ernährungslehre, kennzeichnen verschiedene Menschentypen.

Der Vata-Typ neigt diesem Konzept nach zu Verdauungsstörungen oder Untergewicht. Empfohlen werden daher regelmäßige warme Mahlzeiten aus gekochten Zutaten. Vata-Typen sollten bevorzugt salzige, saure und süße Lebensmittel verzehren, während üppige Fleischgerichte gemieden werden sollten.

Der Pitta-Typ hingegen verfügt über ein naturgegebenes Verdauungsfeuer und neigt daher zu Heißhungerattacken. Pitta-Typen sollten daher kalte oder warme Speisen essen, sich aber bei den Essensmengen mäßigen. Frittiertes oder Gebratenes ist eher selten zu verzehren. Durch die Geschmacksrichtungen bitter, süß sowie herb reduzieren sich die Pitta-Einflüsse.

Der Kapha-Typ besitzt eine schwerfällige Verdauung. Sein Kalorienverbrauch ist entsprechend niedrig, was bei Bewegungsmangel leicht zu Übergewicht führen kann. Empfohlen werden vorwiegend warme Gerichte und Getränke. Der Kapha-Typ sollte wenig Fleisch und viel Gemüse essen. Mit bitteren, scharfen und herben Geschmacksnoten steuert er der Verdauungsschwäche entgegen.

Die drei beschriebenen Konstitutionstypen beziehen sich übrigens auf die fünf Elemente Erde und Wasser, Feuer, Luft und Äther, die nach indischem Glauben den Organismus zusammensetzen.

Vata symbolisiert dabei die Elemente Luft und Raum und steht für innere Leichtigkeit sowie Transparenz. Ein Zuviel davon führt zu Nervosität und innerer Unruhe. Bei einem ausgewogenen Verhältnis von Vata ist man klar, konzentriert und wach. Pitta repräsentiert das Element Feuer und somit hitzige Energie. Ein Überschuss davon kann zu Gereiztheit und Aggression führen. Kapha wird als stabilisierendes Erdelement gesehen. Wer zu viel davon in sich trägt, spürt eine Neigung zu Schwere und Trägheit. Beides kann Übergewicht begünstigen.

Eine gesunde Ayurveda-Ernährung ist ganzheitlich auf diese Konstitutionstypen ausgerichtet. Einzig Kinder im Wachstum werden anders betrachtet: Bei ihnen dominieren in der Regel Kapha-Einflüsse, denen jedoch aufgrund der Wachstumsphase nicht entgegengewirkt wird. Nichtsdestotrotz lernen auch Kinder bereits in frühen Jahren, ihre Geschmacksempfindungen zu schulen und beim Essen Mäßigung zu üben.

Allgemeine Ernährungsempfehlungen

Zu den allgemeinen Empfehlungen der altindischen Ernährungslehre gehört es, nur dann zu essen, wenn tatsächlich Hunger auftritt. Snacks und Zwischenmahlzeiten sind tabu, weil die Mahlzeit davor noch nicht verdaut ist. Die wichtigste Mahlzeit wird im Ayurveda mittags gegessen, denn dann ist die Verdauung am aktivsten. Gegessen wird grundsätzlich in Ruhe am Tisch, ohne Hektik, Stress oder Ablenkung.

Im Ayurveda gilt maßvolles Essen als gesundheitsfördernd. Die ayurvedische Regel für das Mittagessen lautet ‚zwei Hände voll‘, und entsprechend essen viele Ayurveda-Anhänger eher weniger als die meisten Menschen hierzulande. Welche Nahrungsmittel unter diese ‚zwei Hände voll‘ fallen, hängt vom individuellen Konstitutionstyp ab – jedem Typ werden spezielle, das Wohlbefinden steigernde Lebensmittel zugeordnet. Jede Mahlzeit wird aus frischen, möglichst regional angebauten Zutaten zubereitet. Importierte Lebensmittel, die lange Wege zurückgelegt haben, passen hingegen nicht ins ayurvedische Ernährungskonzept. Nach Möglichkeit spricht jede ayurvedische Mahlzeit zudem alle sechs Geschmacksrichtungen an, welche die Ayurvedaküche als süß und sauer, scharf und salzig sowie herb-adstringierend und bitter definiert. Bei Durst trinken Ayurveda-Anhänger frisches Wasser und Kräutertee – gezuckerte Lifestyle- und Szenegetränke, die bei uns immer häufiger konsumiert werden, sind im Ayurveda gänzlich tabu. 

Ziel dieser ganzheitlich ausgerichteten Ernährungslehre ist grundsätzlich eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Diese soll die Verdauung auf Trab halten und den Stoffwechsel ankurbeln. Die Nahrungsqualität ist definitiv wichtiger als die Menge des verzehrten Essens – gegessen wird das, was dem Organismus guttut und sowohl dem Körper als auch dem Geist langfristig Wohlbefinden und Gesundheit schenkt.

Der Wert der Nahrung in der Ayurvedaküche

In Indien wusste man schon früh, dass gute Nahrung mehr als nur einen Sättigungsgrad besitzt. Gute Nahrung ist wichtig, denn der Organismus benötigt zahllose Substanzen, um reibungslos zu funktionieren. Die alten Inder unterschieden sieben Gewebegruppen, welche die Nahrung mit Vitalstoffen versorgt. Stimmt das Gleichgewicht zwischen den einzelnen Komponenten einer Mahlzeit nicht, kommt es nach indischem Glauben zu Verdauungsstörungen und mangelndem Wohlbefinden. Die ayurvedische Ernährung unterteilt alle Nahrungsmittel in drei Gunas (Sattva, Tajas, Tamas), also drei verschiedene Nahrungsklassen.

Zum Sattva-Guna gehören Lebensmittel, die als süß, saftig und ölig begriffen werden. Dazu zählen beispielsweise Milchprodukte, Obst, Getreide oder Gemüse. Die Sattva-Lebensmittel machen der indischen Ernährungslehre gemäß zufrieden und erhöhen die Lebensdauer.

Als Rajas-Guna werden Lebensmittel bezeichnet, die bitter, sauer, scharf, salzig, heiß oder trocken sind. Die ayurvedischen Inder sagen, solche Lebensmittel machen aggressiv, da sie uns überhitzen und uns zu sehr stimulieren. Zur Rajas-Guna gehören Chili, Knoblauch und Zwiebeln, Alkoholika sowie pflanzliche und synthetische Drogen. Von den genannten Lebensmitteln nehmen Ayurveda-Anhänger nur wenig zu sich.

Als Tamas-Guna gilt alles, was abgestanden, überreif, vertrocknet, faul und aufgewärmt ist. Eine ganzheitlich gesunde Ernährung meidet solche Lebensmittel gänzlich.

Eine ausgewogene Mahlzeit besteht somit weitgehend aus sattvischen Lebensmitteln.

Die richtige Kombination der Nahrungsmittel

Unabhängig davon, welchem Dosha oder Konstitutionstyp jemand zurechnet wird, sollte er in seine Mahlzeiten stets alle sechs Geschmacksrichtungen integrieren – hier ist also ein wenig Geschick gefragt, um die Lebensmittel gelungen und schmackhaft zu kombinieren! Hinzu kommt, dass ayurvedischen Empfehlungen zufolge die Kombination mehrerer tierischer Eiweiße als ungünstig gilt, da sie Stoffwechselschlacken fördern und zu Verschleimung führen sollen. Gemieden werden sollte auch die Kombination aus Getreide und Obst mit Joghurt, was für die meisten von uns fast schon zum Standard gehört. Milchprodukte sollten vorzugsweise mit Hülsenfrüchten kombiniert, Obst dagegen immer solo verzehrt werden, damit es im Darm nicht gärt. Die als süß gekennzeichneten Lebensmittel Getreide bzw. daraus hergestellte Teigwaren, Kartoffeln und Fette werden am besten zu Gemüse oder Salat gegessen. Einzig Reis passt zu allem und darf entsprechend frei kombiniert werden. In Bezug auf die Flüssigkeitszufuhr gilt, kalte Getränke zu meiden und den Flüssigkeitsbedarf mit zimmerwarmen oder heißen Getränken zu decken.


Jetzt habt ihr einen kleinen Einblick in die umfassende ayurvedische Ernährung erhalten. Was haltet ihr davon? Habt ihr euch schon mal näher damit beschäftigt? Wenn ja, was fasziniert euch besonders daran und welche positiven Auswirkungen konntet ihr an euch beobachten? Schreibt es uns in die Kommentare!

Eure Feli

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